Die Uffizien in Florenz: Ein riesengroßer düsterer Palast, gefüllt mit den Meisterwerken der Renaissance.


"Bottichelli, Caravaggio, Leonardo - es haut Dich um." (Wolfgang Joop)

Florenz war im 15. Jahrhundert die Kultur- und Handelsmetropole Europas. Hier wurde das, was wir heute Kunst nennen, quasi erfunden. Die wichtigsten Familien der Welt lebten damals in Florenz. Und mit ihrem Reichtum schufen sie eine Welt, die einzig der Schönheit gewidmet war. Denn hier wehte der Geist des Humanismus: 'Das Schöne und das Wahre gehen Hand in Hand mit dem moralisch Richtigen.' Aha!

Florenz war der damalige ‚Place to be‘ mit einer geballten Ansammlung an Kreativität, Wissenschaft, Dichtern und Denkern.

Bottichelli, Caravaggio, Da Vinci, Michelangelo, Macciavelli, Galilei - allesamt Legenden für sich, waren nicht einfach nur Maler, Künstler oder Gelehrte. Sie waren die Superstars der Geschichte, repräsentierten schon zu Lebzeiten den ‚Weltgeist’. Und dieser Weltgeist war in Florenz zuhause. Hier entstand ein neues Menschenbild, prägend für eine ganze Epoche. Die Hauptstadt der Toskana war geistig-kulturelles Zentrum, das auf die gesamte Gesellschaft abstrahlte und diese nachhaltig veränderte.

Geistiges Zentrum der Welt, wie Berlin in den 20ern oder das heutige Silicon Valley.

Man kann es sich noch ein bisschen besser vorstellen, wenn man es mit den geistigen Zentren anderer Epochen wie z.B. dem Berlin der 20er oder New York der 50er und 60er Jahre vergleicht, der Zeit von Goethe und Schiller in Weimar oder - auf unsere Zeit übertragen, mit dem vergleicht, was heute in Silicon Valley stattfindet.

Die Gattin des Federico da Montefeltro: Battista Sforza - von Piero della Francesca.  (c) Uffizien, Florenz, Italien
Die Gattin des Federico da Montefeltro: Battista Sforza - von Piero della Francesca. (c) Uffizien, Florenz, Italien
Bildnis des Federico da Montefeltro oder auch: der bekanntesten Nase Italiens - von Piero della Francesca.  (c) Uffizien, Florenz, Italien
Bildnis des Federico da Montefeltro oder auch: der bekanntesten Nase Italiens - von Piero della Francesca. (c) Uffizien, Florenz, Italien

Bankiersfamilien wie der berühmte Medici-Klan  unterstützen Kunst und Architektur.

Sie sammelten Weltkunst, schickten Käufer und Agenten für Ankäufe in die ganze Welt hinaus und wollten damit auch eine geistige Offenheit symbolisieren. Hätten sie dies nicht getan, wären sie möglicherweise einfach nur als skrupellose Bankiersfamilie in die Geschichte eingegangen. Durch ihr Mäzenatentum aber wurden sie zur bedeutendsten Dynastie und schufen Kunst für die Ewigkeit.

Die Uffizien haben bereits einige Krisen überstanden.

Hitler ließ sie, nachdem Italien sich von ihm abgewandte, plündern. Die heute als The Monuments Man bekannte Truppe von US-Soldaten half zu einem erheblichen Teil dazu bei, viele der Kunstwerke zu retten und wieder in den Besitz der Uffizien zu bringen.

 

In den 60er Jahren wurden 40.000 Kunstwerke bei einer großen Flutkatastrophe in Florenz unter Schlammlawinen begraben. Die Bürger der Stadt halfen die Bilder aus den verschlammten Palasträumen zu tragen. Weltweit wurde zu Spenden für die Rettung und Aufarbeitung der zerstörten Kunstwerke aufgerufen. Sogar Hollywood-Diva Elisabeth Taylor informierte die Weltöffentlichkeit über die Katastrophe in Italien und rief per Videobotschaft mit sehr flehendem Blick "Please!" in die Kamera und somit zu Spenden auf.

 

Und 1993 erschütterte ein Bombenanschlag den Palast, große Teile des Gebäudes wurden dabei zerstört.

Das heutige Museum (italienisch: uffici = Büros) wurden 1581 als Bürogebäude, zur Unterbringung von Ministerien und Ämtern der Familie Medici gebaut. Es ist also kein imposantes, einzeln stehendes Gebäude, sondern ein unscheinbarer, eher geduckter, dunkler und schmaler Bau inmitten der Altstadt von Florenz. Erst rund 150 Jahre nach seinem Bau wurde er als öffentliches Museum zugänglich und gilt damit als eines der ältesten Museen der Welt.

"Ich war noch nie da, aber die Uffizien sind genial, geil, wunderbar." (Jonathan Meese)

Hier der Versuch die Uffizien einigermaßen hübsch im Bild einzufangen.
Hier der Versuch die Uffizien einigermaßen hübsch im Bild einzufangen.


Die Venus: Die Göttin der Schönheit und der Liebe als nackte Frau.

Die Geburt der Venus - Sandro Botticelli (Firenze 1445 - 1510).   (c) Uffizien, Florenz, Italien
Die Geburt der Venus - Sandro Botticelli (Firenze 1445 - 1510). (c) Uffizien, Florenz, Italien
Die Geburt der Venus - Sandro Botticelli (Firenze 1445 - 1510).  (c) Uffizien, Florenz, Italien
Die Geburt der Venus - Sandro Botticelli (Firenze 1445 - 1510). (c) Uffizien, Florenz, Italien

Sie ist die Ikone. Das berühmteste Bild der Renaissance, Schablone für alle nachfolgenden Künstler und der Inbegriff der Wiedergeburt (= "Renaissance". Ist wahrscheinlich allgemein bekannt, die Bedeutung, ich wusste es nicht). Und das Bild ist im Original wirklich umwerfend. Das Format riesig. Sie superschön. Einfach tief berührend.

 

Auch einen Herzinfarkt hat die Venus wohl schon vor Ort verursacht, so erzählt der deutsche Museumsdirektor Eike Schmidt.* Die Kunstwerke in den Uffizien lassen einfach die wenigsten kalt.

 

"Die Muschel find ich doof. Das wehende Haar und das Gesicht der Figur aber sehr schön." (Norbert Bisky)

 

Primavera / Frühling - von Sandro Botticelli (Florence, 1445 -1510).  (c) Uffizien, Florenz, Italien
Primavera / Frühling - von Sandro Botticelli (Florence, 1445 -1510). (c) Uffizien, Florenz, Italien
Das Bildnis der Simonetta Vespucci - von Sandro Botticelli - CC BY-SA 4.0 Städel Museum, Frankfurt am Main
Das Bildnis der Simonetta Vespucci - von Sandro Botticelli - CC BY-SA 4.0 Städel Museum, Frankfurt am Main

Goldwelliges Haar und verträumter Blick. Auch beim Frühling bleibt Botticelli seinem Schönheitsideal der blonden Nymphe treu.

 

Neben der Geburt der Venus gehört die Primavera zu den berühmtesten, meist kopierten und zitierten Werken Botticellis.

 

In den Museen dieser Welt ist Botticelli gut vertreten, die meisten seiner Werke kann man sich in Florenz und Rom anschauen. Aber auch in Deutschland wie z.B. in Potsdam und Frankfurt kann man sich einen Botticelli ansehen.

Im Frankfurter Städel Museum hängt z.B. ein Highlight: Simonetta Vespucci, die früh verstorbene Geliebte eines Medicis, stellte das Schönheitsideal der damaligen Zeit dar und gilt als Vorlage bzw. als das Modell für die Geburt der Venus.


Krimineller, Schläger, Messerstecher - und revolutionärer Künstler. Das war Caravaggio.

Bacchus / Der Gott des Weins - Caravaggio (Milano 1571 - Porto Ercole 1610).   (c)  Uffizien, Florenz, Italien
Bacchus / Der Gott des Weins - Caravaggio (Milano 1571 - Porto Ercole 1610). (c) Uffizien, Florenz, Italien

Neben Botticelli darf natürlich auch eine weitere Legende der florentinischen Renaissance im Museumspalast nicht fehlen: Caravaggio. Krimineller, Schläger, Messerstecher - und revolutionärer Künstler. Der 'Meister von Licht und Schatten' brachte das Dreckige, Echte, Alltägliche mit dem Göttlichen in Verbindung, in dem er physisches Leid in seiner ganzen Körperlichkeit und schonungslosen Brutalität zeigte (das ist natürlich bei dem süßen Bacchus hier oben nicht der Fall).

 

Bald gibt's mehr zu Caravaggio an dieser Stelle.

Musizierender Engel - Rosso Fiorentino (Florence 1494 – Paris 1540).   (c) Uffizien, Florenz, Italien
Musizierender Engel - Rosso Fiorentino (Florence 1494 – Paris 1540). (c) Uffizien, Florenz, Italien

Maler Rosso Fiorentino ist keiner der bekannteren Namen, aber dafür malte er die süßesten Engelchen überhaupt.

Ausschnitt aus Madonna mit Kind und Heiligen - von Rosso Fiorentino (Florence, 1495 – Paris, 1540).    (c) Uffizien, Florenz, Italien
Ausschnitt aus Madonna mit Kind und Heiligen - von Rosso Fiorentino (Florence, 1495 – Paris, 1540). (c) Uffizien, Florenz, Italien

 

 

Also nix wie los nach Florenz!

* diese und viele weitere spannende Informationen habe ich der Podcast-Folge: Die Geburt der Venus: Ist Botticelli wirklich der Größte? des Podcasts Augen zu der ZEIT entnommen - sehr zu empfehlen!



Es gibt kein Bild von Botticelli mehr auf dem freien Markt. Wirklich keines mehr?

 

Doch ein Einziges. Für hunderte von Jahren vergessen, lange Zeit unbekannt, wurde es erst im 19. Jahrhundert als Botticelli entdeckt: Das 550 Jahre alte Portrait eines jungen Mannes mit Medaillon.

 

 

Wurde bei Sotheby's in New York 2021 für 92 Millionen Dollar versteigert - und stellt damit die größte Kunstmarktsensation der letzten Jahre dar. Käufer: unbekannt. Dauer der Auktion: 4 Minuten.

70 Millionen aufgerufen. Gesprungen auf 78 Millionen. Der telefonische Bieterkampf zwischen zwei Käufern aus London und New York spitzt sich zu. 80 Millionen. Hammer runter. Zack. Verkauft. Plus Gebühren für Sotheby's: 92 Millionen. 

 

Verkäufer des Bildes war die Stiftung des kürzlich verstorbenen Milliardärs Sheldon Solow. Er hatte das Gemälde in den 80ern für schlappe 1,8 Millionen gekauft. Aus dem Gewinn plant die Stiftung möglicherweise ein neues privates Museum für Kunst in New York zu bauen. Aus Kunst wird mehr Kunst!

Übrigens: in Paris beginnt im September 21 eine Botticelli Ausstellung: im Musee Jacquemart-André. Bis Januar 2022 kann man dort z.B. die Simonetta Vespucci, die normalerweise im Städel Museum in Frankfurt hängt, bewundern.